Alles anders als gestern

Heute um kurz vor 16 Uhr den Chef gefragt, ob er denn jetzt Zeit hätte, oder ob wir das Gespräch auf morgen verschieben sollten. Nja…*zöger*…er hätte Zeit. Nach einigem Hin und Her waren wir uns ziemlich einig, dass eine Teilzeitbeschäftigung – wie von mir als Alternativlösung zum Vertrag auflösen vorgeschlagen – nicht wirklich der Bringer ist, vor allem weil sich eigentlich an der Situation an sich nichts ändert.  Weiter keine Kunden zum Betreuen, weiter die ganze Zeit einsam und alleine im Büro gehockt.Und nachdem ich klipp und klar gesagt habe, dass ich nicht die Obereinkäuferin werden will – fällt ihm sonst auch nix richtig ein an Arbeitsaufgaben.

Außerdem: Ich wäre trotzdem nicht auf Dauer geblieben, weil ich mich nach einer Stelle mit mehr Menschenkontakt umgeguckt hätte (was ich ihm natürlich nicht gesagt habe). Chefchen – typisch norwegisch – meinte dann, ich sollte doch jetzt erstmal richtig gesund werden und dann einfach mal tun, wozu ich Lust hätte (ja, genau, ich schwimme ja wie er im Geld und kann mir monatelanges Nichtstun auch ganz locker leisten *kopfschüttel*). Mit dem Gesund werden bin ich jedenfalls einig und der Schwede ist da ganz einig. Netterweise.

Der Schwede ist nämlich mein Psychologe, bei dem ich seit Januar in Behandlung bin. Seit Mitte Dezember bin ich nämlich 50% krank geschrieben wg Depression, im Januar hatte ich das dringende Bedürfnis mich von der Brücke zu stürzen oder vor den Bus zu springen und die Überweisung und Aufnahme in das ‚Schneller zurück‘-Programm des NAV Trygd  ging ganz fix. Tabletten hab ich abgelehnt, ich mochte nicht noch mehr Kontrolle abgeben, als ich eh zu dem Zeitpunkt nicht hatte und ich fürchtete mich vor den Nebenwirkungen.

So jetzt ist es endlich mal raus.
War ich doch die ganze Zeit gut im Fassade hochhalten, was mich echt was gekostet hat.
Leicht ist die Schufterei beim Schweden nicht, der ist nämlich gut und stellt fiese Fragen und man muss echt viel nachdenken.
Eines der Resultate ist eben, dass ich mich überwunden habe und mehrmals ordentlich mit meinem Chef geredet habe, statt nur das erstarrte Kaninchen zu geben, welches auf Besserung wartet, Ganz klar wurden mir Arbeitsaufgaben vorgespiegelt die es nicht gab. Und es hat echt gut getan, sich ordentlich auszusprechen. Glaube nicht, dass das in D möglich gewesen wäre.
Ein anderes Resultat ist, dass der Herzliebste und ich eine räumliche Trennung vornehmen, ich ziehe in die Einliegerwohnung, sobald die liebe Untermieterin ihre Sachen in ihre neue Wohnung geschafft hat.
Das ist für uns die Gelegenheit uns mal wieder richtig wahrzunehmen und nicht nur nebeneinanderherzuwohnen (hm, schreibt man das jetzt auseinander oder zusammen und ist das überhaupt richtiges deutsch? *grübel*)

Außerdem hab ich ausgemistet, sowohl Dinge im Kopf als auch Krams, kommt ja eh wieder genug von selber dazu.

Es geht mir wirklich schon viel viel besser. Und jetzt, wo alle üblen Gesprächshöhepunkte hinter mir liegen, kann ich mich wirklich der gänzlichen Gesundung widmen.
Und ich hoffe der Schwede kann mir dann am Ende auch verraten, wie ich nicht noch mal so zerfalle. Hmpf. Ich hab es nämlich satt nicht ganz gesund zu sein. Und ich hab auch wirklich nicht das geringste bissen Lust, das noch ein drittes Mal durchzumachen. Das ist ganz furchtbar und anstrengend und lässt eine wirklich innerhalb weniger Monate ganz schön altern. Und ich hab soviel Leben verpasst irgendwie.
Aber alles wird gut und im Gegensatz zum Jahresbeginn – wo ich dachte, es wird nie wieder gut – und vor einigen Wochen – wo ich wusste es wird gut, aber nicht wann –  weiß ich, es wird ganz bald wieder gut sein.

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