Aus gegebenem Anlass zum Thema Meisterprüfung

Bezieht sich auf den Kommentar vom letzten Eintrag.

Ich sagte ja im letzten Eintrag sinngemäss, ich hätte mich geärgert wenn ich weniger als ein C bekommen hätte wg des Kumpels C. Klar, ich bin fast 10 Jahre älter und hab nen Dipl.Ing., das muss doch zu was gut sein. Da hätte ich mich doch wirklich sehr geärgert, wenn der Kleine besser abgeschnitten hätte :-D. Ich kann mit 37 Jahren meine eigenen Leistungen immerhin so gut beurteilen dass ich weiss, ob ich irgendwo bestanden habe, auf der Kippe stehe oder durchgefallen bin. Vor 10 Jahren hätte ich das vielleicht auch noch nicht so gut einschätzen können.

Für geschätzte Mitlesende sollte man vielleicht erwähnen, dass der norwegische Meister aus 2 Teilen besteht. Teil 1 ist für alle Gewerke zusammen und gleich. Teil 2, um den es hier geht, teilt sich auf in a) Bauhandwerk, also Gewerke mit baurechtlicher Verantwortung: Zimmerer, Maler, Maurer, Fussbodenleger, Elektriker, Sanitärleute. Die müssen 150 Std. Unterricht ablegen. Und b) in alle anderen Handwerksberufe, insgesamt 75 verschiedene: Holzberufe, Nahrungsmittel, ästhetische Fächer wie Friseure, Fotografen, Schmiede, mechanische Fächer (für KFZ-ler gibt es erst seit 2008 überhaupt einen Meisterbrief!) usw. mit ’nur‘ 75 Std. Unterricht.

Während die erste Gruppe größtenteils vor Ort Klassenzimmer-Unterricht erhält, ist Gruppe b) gezwungen, sich entweder mit Online-Selbstunterricht zu begnügen oder für 2 lange Wochenenden nach Oslo zu reisen und zwischendurch dann auch wieder mit dem übrigen Stoff und Übungsaufgaben zuhause zu sitzen.

Beide Gruppen setzen sich sehr viel mit der Firmengründung (Rechte, Pflichten, was wann wie wo machen, beantragen usw., das komplette Paket halt, denn das ist der Hauptzweck des Meisters in N – eine Firma gründen, bzw. viele haben sich bereits selbstständig gemacht wenn sie den Meister anfangen) und Kalkulation auseinander. Da unterscheidet die Gruppen also nichts. Was die doppelte Stundenanzahl ausmacht ist die Baurechtliche Verantwortung und zum Teil die Berechnungen, denn Kalkulationsfehler auf dem Bau haben für gewöhnlich schlimmere und teurere Konsequenzen als eine zu dünne Suppe beim Koch oder versaute Bilder beim Fotografen.

Der Meisterteil 2 für die Gruppe a) ist 2008 reformiert worden und enthält nun besagte Projektaufgabe, sowie wurden Inhalte teils umgegliedert. Die Gruppe b) wird gerade erst reformiert und voraussichtlich ab Anfang 2010 in wesentlichen Teilen anders aussehen als jetzt, u.a. auch mit einer Projektaufgabe.

Beim Examen sind alle Aufgaben auf die eigene Berufsgruppe abgestimmt, soll heissen ich habe Tischleraufgaben bekommen, der Landschaftsgärtner Gärtneraufgaben, die Zimmerer Zimmereraufgaben.
So wie ich die fachbezogenen Aufgaben eines Malers nicht mal eben so lösen kann, kann auch ein Maler keine Tischleraufgaben aus dem Ärmel lösen, dazu sind sie zu fachbezogen. Es wird beim Lösen erwartet, dass man Beispiele aus der eigenen Branche heranzieht.
Allgemeine Aufgaben, wie alles zum Thema Gesundheit, Umwelt, Sicherheit sind integriert bei allen.

Das mit den Branchenbeispielen fand ich schwer, denn schliesslich hab ich 2007 in der Tischlerei aufgehört. Insofern hab ich Kreativität spielen lassen und Beispiele u.a. aus dem Personalwesen passend umgestrickt.
Am Schwersten ist es mir gefallen wieder in die Materie hineinzukommen und wieder mit den Begriffen und den Berechnungen vertraut, denn anderthalb Jahre gar nix zu machen war ziemlich blöd.

Laut Auskunft der FU zentral ist bei den Onlinekursen, egal ob Baufach oder Handwerksfach die durchschnittliche Zeit zwischen Beginn und Examen wesentlich länger als beim Klassenunterricht, man muss sich halt immer wieder selbst motivieren und wesentlich mehr selber erarbeiten (halt weniger mein Fall).
Dafür bewegen sich die Durchschnittsnoten bei den Onlinekursen bei B und C (2 und 3), derweil sie in den Klassenzimmerkursen bei C und D (3 und 4) liegen. Wobei diese Durchschnitte noch nicht so lange nachweisbar sind, denn erst seit den Ende 2007er Kursen gibt es überhaupt die Einstufung von A bis F (F durchgefallen, E = Zeugnis von der Meisterfachschule, D= Mindestanforderung um die Meistermarke führen zu dürfen, C, B, A).

Mit einem C oder D hab ich also gerechnet, denn das sind nun mal die am meisten vergebenen Noten. Aber es ist doch schön zu wissen, dass ich kann wenn ich will. 🙂 Auch wenn wie immer die letzten Nächte vor Prüfungen kurz sind. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich vor Prüfungen mal mehr als 5 Stunden geschlafen habe. Nicht weil ich so aufgeregt bin, das kommt immer erst wenn ich dann vor Ort bin und die Zeit bis die Prüfung beginnt. Aber die schlechten Gewohnheiten immer erst alles auf den letzten Drücker zu machen….ist eben ein Teil von mir *lol*. Dieses Mal hatte ich mich ja selber ausgetrickst und alles so gut systematisch organisiert, dass ich einen Teil nicht finden konnte, obwohl ich wusste, ich hatte es die Nacht vorher gelesen. Wenigstens war mir das Buchstabenbild noch halbwegs vor Augen, ich habs dann auch so hinbekommen.

Jedenfalls werd ich mich jetzt ein paar Tage freuen, dass ich nen Haken dran machen kann und weitergehen kann (es gibt sooo viele spannende Sachen in der neuen Firma).
Ich gebe gerne zu, ich kompensiere immer noch die selbstverursachte unterdurchschnittliche Dipl.Ing.-Note von vor 7 Jahren und werde mich deswegen jetzt einfach mal megamässig über dieses überdurchschnittlich gute und selten ausgegebene A freuen. *springhüpffreu*

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