Das Konzert

Da sind der Herzliebste und ich zurück. Müde aber zufrieden.
Vom citybox-Hotel in Bergen kann man jedoch nur abraten, sofern man mehr will als nur da übernachten.
Sich mit einem weiteren Zimmer ein Bad zu teilen finde ich ja generell kein Problem, bin allerdings davon ausgegangen, dass sich dieses Bad dann zwischen den Zimmern befindet mit 2 Türen sozusagen und nicht auf dem Gang 10m weiter. Dazu noch mit einer mechanischen lüftung, soll heißen, Temperaturtechnisch nicht auszuhalten und schimmelig riechend, wenn auch nicht sichtbar.
Duschen haben wir uns dann für Zuhause aufgehoben.
Immerhin waren sie so freundlich, unsere im Fernsehzimmer zusammen mit 100 anderen Gepäckstücken liegenden kleinen Rucksäcke auf Anruf schon mal auf unser Zimmer zu legen, sehr nett.

10 Uhr gelandet, 10.15 den Flugbuss genommen, 10.45 im Zentrum.
11 Uhr etwas dann endlich an der Festung den Haupteingang gefunden, dort gegenüber stand die Menschentraube mit dem Sicherheitsmann.
Uns wurde nämlich etwas ans Herz gelegt von einer Bekannten – von der wir freundlichsterweise auch die Tickets bekommen haben – nennt sich ‚rollcall‘. Die ersten 450 kriegen eine Nummer auf die Hand gemalt, schlagen alle 2 Stunden wieder auf und dürfen dann als erste rein und sich einen Platz (für gewöhnlich in den ersten Reihen) suchen.
Als wir ankamen waren sie schon bei Nummer 170 oder so. Wir warteten bis zum ende und dann sagte der Sicherheitsmann die Zauberworte „Will noch jemand auf die Liste?“ – außer uns auch noch diverse andere, wir endeten mit Nummer 280 und 281. 🙂

Nächstes Treffen um 13 Uhr, bis dahin hatten wir unsere Rucksäcke im Hotel abgeworfen (und uns den Luxus des einen Kilometers mit dem Taxi gegönnt) – Zimmer war ja leider noch nicht frei – und wieder zurückgegangen.
Da mussten wir dann an der Mauer drei Schlagen bilden und uns einprägen, wer um uns rum stand. Wer nicht da war, wurde sofort von der Liste gestrichen.

Nächstes Treffen um 15 Uhr – wir dachten es gibt noch eines um 17 Uhr, waren aber immerhin so pfiffig in den zwei Stunden von 13-15 Uhr bei Peppes Pizza eine Lasagne zu essen.
Bloß, da gab es dann kein weiteres Treffen, wir mussten ab 15 Uhr ausharren in der Schlange bis zur Öffnung. Klar, dass es dann anfing zu nieseln (Ohne die Gummistiefel und die orange Gummijacke hätte ich jetzt vermutlich eine Lungenentzündung *gg*).

Ein sehr internationales rumstehen, zwischen Norwegern, Dänen, Italienern, Engländern, Niederländern. Mir war eigentlich bis zu dem Moment nicht klar, dass es sich bei dieser ganzen ‚rollcall‘ um die Hardcore-Fan-Variante handelt, bis ich mit einer ins Gespräch kam und sie definitiv persönlich beleidigt war, als ich so meinte, ich wäre ja nicht so der Bruce-Springsteen-Fan, das wäre nicht so meine Musik. Wobei ich dann auf die beleidigte Frage, worauf ich denn stehen würde, irgendwie überrascht rumdruckste und so meinte, ich wäre irgendwie da irgendwie rausgewachsen und würde nicht viel Musik hören. Böser Fehler, sie so ‚Rauswachsen? Wie kann man aus Musik rauswachsen?‘ und das Gespräch abbrach und sich beleidigt umdrehte *rofl*.
Weil ich dachte so, nee, eigentlich ’steh‘ ich nicht mehr auf irgendwas Bestimmtes, so wie früher halt, als ich Madonnafan war.
Jetzt bin ich mehr so allgemeine Radiohörerin (falls überhaupt) und mag manche Musikrichtungen weniger als andere und manche Interpreten mehr als andere. Aber ich ziehe niemanden mehr so richtig vor. Und ich könnte durchaus ohne Musik leben, vor allem seitdem ich bei der Arbeit täglich mit Balladen beschallt werde. Da brauche ich im Auto dann eher mal Eminem als Kontrastprogramm zum Entspannen.

Jedenfalls, im dem Moment wurde mir klar, ich sag besser nix mehr solange ich da umzingelt von mitreisenden Fans stehe. 🙂

Natürlich wurde aus dem Nieselregen richtiger Regen in dem Moment, wo wir reingehen durften. Ich fand es ja eher erheiternd, dass erwachsene Menschen (also, gut über 30 die meisten) von den Sicherheitskräften ermahnt werden mussten nicht zu rennen. Ich bin dann auf dem Weg sicherheitshalber erstmal eines der Dixies näher in Augenschein nehmen, dann aus der vom Ordner bereitgehaltenen Kiste noch Ohrstöpsel mitnehmen (danke dafür übrigens, finde ich sehr sehr zuvorkommend, hatte ich meine doch vergessen!)
Im strömenden Regen dann erstmal den Mann anrufen, wo der denn plötzlich hin war. Der stand dann schon im sogenannten ‚pitt‘ – (man lernt ja nie aus) – da wo die ersten 20 Reihen extra abgegrenzt sind und wo man auch nur reinkam, wenn man dann ein neongelbes Armband trug.

Wieder warten und bis zum Konzertbeginn, war mir sehr kalt und klamm und nass und Rückenschmerzen, Kopfschmerzen und mehr oder weniger schon die Schnauze voll. Vor allem, nachdem sich dann natürlich der größte Konzertbesucher von allen vor meiner Nase aufbaute. *nörgel*.
Wenigstens war kein Gedränge und man konnte sich ohne Probleme noch mal ein paar Zentimeter nach links und rechts bewegen.

Das Konzert selber war dann sehr nett, man muss dem Bruce Springsteen zugestehen, dass er ein sehr guter Unterhalter ist und er wirkt, als würden ihm die Konzerte auch Spaß machen. Die Hälfte der Titel kannte ich nicht, machte aber nix, weil alles sehr gängige Poprocksongs waren und zueinander passten.
Ein 62-jähriger Poprockstar in guter Form mit guter Band und guter Musik. Der Mann und ich hatten es echt nett, ich bin dann zwischendurch noch mal raus aus dem pitt und mir für 30 Kronen einen leckenden Becher Wasser für meine Kopfschmerztablette besorgt, ein anderes Bedürfnis habe ich mir angesichts 300 Menschen in Trauben vor 20 Dixieklos verkniffen.
Der einzige Kritikpunkt von meiner Seite wäre, dass des Bruces Stimmqualitäten dann doch nicht mehr ganz für ‚Born in the USA‘ reichten, das war stimmlich SEHR gequält, es könnte aber sein, dass es einfach nur an seiner sich anbahnenden Erkältung lag, konnten doch alle sehen wie er zwischendurch niesen musste mit Fingern an der Nase. Das das alle sehen konnten lag an den überragend guten Bild- und Lichttechnikern übrigens.
Es wurde aus mehreren Richtungen gefilmt, auch von der Bühne aus, so dass der gute Bruce eben nicht mal einen Atemzug machen kann, ohne dabei gefilmt und übertragen zu werden. Gut für die Fans, ungünstig wenn man sich beim Niesen die Nase zuhält und dann die Finger an der Hose abwischt :-D.

Der Mann und ich sind zufrieden, ein spannendes Erlebnis mit allem Drum und Dran – wenn auch recht kostspielig, trotz des sehr günstigen Hotels (nächstmal dann doch lieber noch was drauflegen und ordentlich übernachten). Kann man mal wieder machen, dann aber gerne nicht wieder ‚Back to the 80s‘, wobei natürlich ein Musiker/Sänger mit 35 Jahren Erfahrung und dementsprechend langem Zusammensein mit einer Band  flexibler in seiner Konzertgestaltung sein kann, als jemand der erst wenige Jahre bekannt ist. Insofern war es schon toll, aber da ich ja noch nie auf einem Bruce-Springsteen-Konzert war, kann ich natürlich auch nicht aus eigener Erfahrung wissen, dass jedes Konzert anders ist. 🙂

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