Ein bisschen rumphilosofierend

Neulich sag ich zur einer Freundin beim Beklagen der derzeitigen Arbeitsunsicherheit, dass ich aus Prinzip jetzt schon eher den Shop vom Netz nehmen würde, wenn es darum geht den Arbeitsplatz zu sichern. Vor allem, weil ich auch gar nicht weiß was ich sonst arbeiten will. Weil das Stoffkaufhaus das ist was ich derzeit will. Nettes Arbeitsumfeld, thematisch okay usw.
Und erwähnte dann, es wäre ja auch schön, mal ganz normal Freizeit zu haben, ohne sich immer um was kümmern zu müssen.

Auf Nachfrage gab ich dann zu, dass ich das vermutlich ein halbes Jahr hinkriegen würde und dann würde es mich wieder in den Füßen jucken und ich müsste was Neues anfangen,  eine Weiterbildung, ein Ehrenamt oder was auch immer. Ich würde mich anfangen zu langweilen nach einer Weile denke ich.
Wobei andererseits habe ich ja noch die Longarm auf der ich gerne mehr lernen würde und nähen tu ich ja auch.

Wenn mich momentan gerade jemand fragt warum ich selbstständig bin, kann ich mich an den Ursprung gar nicht so richtig erinnern. Es hatte irgendwie eine Eigendynamik. Gründe sind natürlich auch weil ich es kann, weil ich wissen wollte wie das ist, weil ich für die Produkte brenne und fürs moderne Quilten. Weil ich will dass die Quiltszene weiss wer ich bin.
Sind das die richtigen Gründe?  Gibt es überhaupt richtige Gründe oder hat jeder seine eigenen?
Nun fühle ich mich derzeit etwas gezwungen den Wert meiner Firma gegenüber meiner Chefin und des Oberchefes auf Hobbytätigkeit mit negativen Einnahmen zu reduzieren, damitndie das bloß nicht so ernst nehmen.
Und frage mich dabei dann schon, ob ich mich damit nicht nur der Wirklichkeit stelle und damit den Tatsachen ins Auge blicke?

Ich kann nicht mal unterscheiden, ob das gerade eine normale negative Gründerphase ist oder ernsthafte Zweifel.
Nun habe ich mich ja gerade zum Wechsel der Shopplattform entschieden und werde damit den Rest des Jahres die damit verbundenen Arbeitsstunden bei meinen Programmierern abzahlen. Ich freue mich aber andererseits auch über den Wechsel auf eine einfachere Administration und vor allem die Möglichkeit über Nettbrett und Smartphone-Shopping, was in Norwegen immerhin schon 15% des Onlinehandels ausmacht.

Ich freue mich auch über die Stoffe die im Winter kommen, über all das, was ich die letzten zwei Jahre gelernt habe. Ich ärger mich aber auch, dass ich nun zweiJahre gebraucht habe um zu lernen,  wie ich es denn haben will, wie mein Produktangebot am besten ist um anzukommen und was eher nicht ankommt.
Ich habe natürlich auch gelernt was ich alles machen sollte um präsent zu sein und wie schwer es ist all das zu erfüllen.

So, genug gezweifelt, ich nutze erstmal die
Fischen-gehen-mit-Schwesterfreund-Abwesenheit des Mannes um die Overlock rattern zu lassen und möchte dann gerne noch an der Longarm den kleinen gelben Quilt quilten und den fredem großen aufspannen.

Kommentare sind geschlossen.