Entwurf Beschwerdebrief Øystein

So. Ich schreibe diesen Brief naemlich auf dem Arbeitsamtsrechner hier und muss den Text irgendwo mal abspeichern, damit ich auch von ausserhalb darauf zugreifen kann, bzw. den dann in eine mail an W. einbetten kann. Und ich weiss nicht, wann ich das naechste Mal in K’sand an den Rechner kann.

Hallo W.,

da mir langsam die Felle wegschwimmen, moechte ich doch mal eine Mail an dich schreiben. Ich habe naemlich kein Vertrauen mehr in Øystein und moechte vermeiden, dass verschiedene Dinge von ihm falsch ausgelegt oder dargestellt werden. Ausserdem moechte ich etwas ueber die Organisation des Praktikums sagen, welche nicht nur ich als aeusserst unzureichend empfinden. Leider ist nicht wirklich klar, was genau die Aufgaben von Øystein sind, so dass ich schlecht sagen kann, welche Dinge nicht erfuellt worden sind.

Øystein sollte in der letzten Woche vor unserer Abreise nach Flensburg kommen und uns mitteilen, in welchen Firmen wir arbeiten wuerden. Ausser einem ‚drei werden in K’sand arbeiten und die anderen in der Region Stavanger’ ist dabei nichts rausgekommen, so dass wir (Ralf und Eike, Torsten, Andreas und Sven, David, ich) mit irgendeiner Faehre uebergesetzt sind und auch waehrend der Anreise keinen Plan hatten, wer wo arbeitet.

Das hat zu unnoetigen Fahrtkosten gefuehrt, da die die in K’sand arbeiten gleich eine andere Route haetten waehlen koennen.

Das Praktikum begann offiziell am 2.8.04. Auf Anfrage und auf Øysteins Wunsch (!), da am 2.8. erster Arbeitstag in den norwegischen Unternehmen war, sind wir (oben genannten) erst ein paar Tage spaeter, also am 5.8.04 angereist. Donnerstag auf Freitag haben wir in einer Hytte in den Bergen verbracht. Am Freitagmorgen 6.8.04 haben wir uns dann in Øysteins Buero in Sandnes getroffen und erfahren in welchen Firmen wir arbeiten werden. Fuer Torsten war zu dem Zeitpunkt noch keine Firma da, nur eine in K’sand angedacht. Das darauf folgende Wochenende haben wir in einer Hytte am Frafjord verbracht, die uns von Øystein besorgt worden ist.

Montagmorgen 9.8.04 um 10 Uhr haben Sven und ich mit der Arbeit bei Nysted begonnen, als erstes habe ich dann Sven zu einer Baustelle fahren muessen.

Øystein ist Montagmorgen mit Ralf und Torsten nach K’sand gefahren und hat Adrian vom Bus abgeholt. Ralf und Adrian haben dann bei Malco A/S begonnen. Das Praktikum von Torsten hat sich zerschlagen, weswegen er mit Øystein zurueck nach Ålgard gekommen ist.

Die Wohnung in Ålgård hat drei und ein halbes Zimmer, sowie einen grossen Wohnbereich. Eines der Zimmer war bis zum 24.8. noch von einem der vorigen Kursteilnehmer belegt.

Eines der Zimmer hat David belegt, ein anderes Eik. Bei Eik im Zimmer hat die ersten zwei Wochen noch Andreas mit geschlafen. Das Wochenende 20.-22. hat er in meinem halben Zimmer geschlafen, da ich in K’sand bei Ralf war. Von Mo.23.8. – Mi. 25.8. hat er dann auf einer Couch im Flur geschlafen, da Eikes Frau zu Besuch gekommen ist.

Das halbe Zimmer habe ich belegt, Sven hat auf der Couch im Wohnbereich geschlafen und zwar von Anfang an und solange, bis er am 27.8. nach Hause gefahren ist.

Torsten hat vom 9.8. bis 13.8. auf der zweiten Couch im Wohnbereich geschlafen und hatte erst am Freitag, 13.8. das Treffen mit seinem jetzigen Arbeitsgeber in Kristiansand.

Unterkunft Kristiansand:
Die Firma Malco hatte fuer Ralf und Adrian eine Wohnung angemietet. Dabei handelte es sich um eine kleine Ferienwohnung, die wirklich nur fuer zwei Personen geeignet ist. Øystein war der Meinung, Torsten koennte dort mit unterkommen, was zu heftigem Aerger mit dem richtigen Vermieter gefuehrt hat (und dazu, dass Ralf und ich das Wochenende 20.-22. in einem relativ teurem Hotel verbringen mussten, da den Jungs ‚zwangsausziehen’ angedroht wurde, wenn ich auch noch dort uebernachten sollte.). Ausserdem dazu, dass Torsten auch dort die ersten Wochen auf der Couch geschlafen hat und erst seit dem 1.9.04 eine eigene Wohnung hat. Es ist verstaendlich, dass er keine Wohnung suchen wollte, bevor er nicht die feste Zusage seiner Firma in der Tasche hatte.

Andreas wurde trotz Øysteins Wissen, dass es sich um einen Arbeitgeber handelt, der ‚litt brutalt’ ist, in eine Firma vermittelt, wo er den ersten Arbeitstag am Samstag, 7.8.04 hatte. Gleich den ersten Tag und auch die ganze darauffolgende Woche musste er lange Ueberstunden machen und wurde dann aus ‚Antipathie’-Gruenden vom Chef ab dem x.y. nicht mehr gewollt. Die Bezahlung der Ueberstunden ist bisher nicht wirklich geklaert, Øystein meinte was davon, wenn der AG ihm die Stunden bezahlen wuerde, wuerde Andreas auch was bekommen.
Die neue Arbeitsstelle fuer Andreas in der Firma von David kam vorwiegend ueber Davids Bemuehungen zustande, weil er seinen Chef angesprochen hat. Øystein kam erst ins Spiel, als klar war, dass die Firma Interesse an Andreas hat.

Was Sven angeht: Bereits in der 34. KW wurde ich von Øystein auf Schwierigkeiten mit ihm und Nysted angesprochen. Mangelhafte Sprachkenntnisse etc. Ich war anwesend waehrend eines Telefon-Gespraeches mit Heike vom NTJC in Flensburg, ob es Møglichkeiten gibt das Praktikum zu verlaengern, da fuer Sven eine andere Firma gesucht werden sollte, da Nysted Sven nicht mehr wollte.

Sven hat eine Woche ohne Arbeit in der Wohnung in Ålgård gesessen.

Mittwoch den 25.8. hatte ich ein Gespraech mit Øystein (keine weiteren Zeugen), in dem er mich noch mal gefragt hat, ob die Vermittlungsbemuehungen von David fuer Andreas oder Sven waeren und nachdem ich sagte, dass die fuer Andreas waeren, meinteer, Sven solle wieder nach Deutschland fahren, da er auch keine Arbeit fuer ihn finden koennte, weil er nicht so viel kann als Maler und er sich auch kaum auf norwegisch verstaendigen kann. Von Stavanger wuerde ein Bus bis Hamburg fahren am Freitag. Ich habe dann gesagt, dass Sven kein Geld hat und dass es sein kann, dass er dann seine Eltern anruft, damit die ihn abholen.

Ausserdem habe ich versichert, dass ich wegen der Vertraulichkeit nichts weitersagen wuerde zu Sven. Den anderen hab ich es erzaehlt, dass Sven Freitag fahren wuerde, weil David’s Frau an dem kommenden Wochenende kommen wollte und sich unser Platzproblem in der Wohnung noch verschaerft haette, insbesondere, weil sich keiner im Wohnzimmer niederlassen konnte, da Sven nun mal dort ‚gewohnt’ hat, bzw. haetten David und Frau ebenfalls in ein Hotel ausweichen muessen.

Donnerstagmorgen fragte Øystein mich und Andreas (der mir -weil ohne Arbeit- fuer einige Tage bei Nysted geholfen hat), ob Svens Eltern ihn am Wochenende abholen wuerden. Daraufhin waren wir sehr erstaunt, weil wir vorher gesagt hatten, dass wir nichts weitersagen wuerden.

Øystein ist dann zu Sven gefahren, hat dann aber nicht gesagt, dass er nach Hause fahren soll, sondern nur, wie es mit Geld bei ihm ist und dass er vielleicht die Woche drauf was als Industriemaler finden koennte. Laut Sven war Øystein ungefaehr 5 Minuten dort.

Am Freitagmorgen haben Andreas und ich Øystein mitgeteilt, dass das so nicht gehen wuerde und ihm das Problem in der Wohnung geschildert. Und ich habe ihn gefragt, wieso er mir erzaehlt, dass Sven fahren soll und am naechsten Tag dumm fragt, ob er abgeholt wird und wieso er dann Sven selbst doch was anderes erzaehlt.
Daraufhin ist er dann nach Ålgård gefahren und hat Sven ‚genoetigt’ am gleichen Tag abzureisen.

Was mich selbst angeht: Ich habe bei Nysted angefangen, mit der Aufgabe, eine Møbelausstellung zu bauen. Die Durchfuehrung war ziemlich chaotisch. Waehrend ich in der ersten Woche zusammen mit einem der Fussbodenleger Trennwaende gebaut habe (mit seinem Werkzeug), wurde der Mann in der Folgewoche Dienstagmorgen abgezogen, sollte jedoch am naechsten Tag wieder kommen. Daraufhin habe ich dann zwei Tage mit den Malern gespachtelt, weil ich kein Werkzeug hatte, dies aber auch bei Øystein (der sein Buero bei Nysted auf der Etage hat) angegeben. Mittwoch oder Donnerstag wurde mir dann diverses zusammengesuchtes Werkzeug von anderen Arbeitern hingelegt, mit der Bitte weiter die Trennwaende zu bauen. Die Projektleiterin Grete hatte ziemlich wenig Ueberblick und die Kommunikation mit ihr gestaltete sich fuer mich angesichts ihres starken Dialektes sehr schwierig. Auch hat meine Bitte, nicht so schnell zu reden, nicht wirklich gegriffen. Manche zusaetzliche Aufgaben waren mangels Werkzeug nur unter hohem Zeitaufwand zu verwirklichen (Rausreissen einer Brandschutztuer hat einen Tag statt zwei Stunden gedauert, weil keine Brechstange aufzutreiben).

Ich hatte weder Terminvorgaben, noch eine Ahnung, was wann fertig sein sollte, ausserdem wurde auf mein Nachfragen nach dem zweiten Mann erklaert, ich ware doch da und koennte das alleine machen.
Diese Aussage hat mich wenig begeistert, da ich es 1. nicht gewohnt bin, voellig alleine zu arbeiten, sondern bisher mindestens im Zwei-Personen-Team (was ich Øystein auch mitgeteilt habe), 2. die gestellten Aufgaben mit nur einer Person nicht zu verwirklichen waren (Trennwaende-Mass ca. 280 x 200 cm, 2,80 m lange Leisten in 3 m Høhe an die Waende duebeln etc.).

Am Mittwochmorgen, 25.8., kurz nach 9 Uhr fragte Grete, ob die uebrigen vier Trennwaende bis zum Mittag fertig waeren, denn bis Freitag solle alles stehen, da Montag die Moebel kaemen. Und Mittwochnachmittag wuerden die Maler die Waende spachteln wollen. Daraufhin beschlossen Andreas und ich, dass Zeit wichtiger waere als Qualitaet und spachteln schneller geht als muehsam 30-50 Grad-Winkel zu schneiden und haben die uebrigen vier Waende in einer zugegeben weniger guten Qualitaet jedoch ziemlich zuegig am gleichen Tag noch zusammengeknallt. Die Maler hielten es jedoch nicht fuer noetig diese zu spachteln. Es gab dann etwas Aerger wegen der Qualitaet, der dazu fuehrte, dass wir am Mittwoch/Donnerstag einige Teile wieder abbauten und ordentlicher zusammen bauten. Ausserdem haben dann Andreas und ich noch den ersten Spachtelgang durchgefuehrt.
Mir wurde dann Freitag (27.8.04) in Andreas’ Beisein von Øystein erklaert, dass Nysted eine andere Firma o.ae. beauftragen wuerde, weil wir so hinter dem Zeitplan waeren und ich quasi ‚aus dem Rennen waere’.
Interessant war, dass sich beim dem Gespraech mit Øystein herausstellte, dass ICH die ganze Zeit die Leitung des Projektes innehatte, es mir nur leider keiner gesagt hat. Ausserdem wurde ich in keiner Weise ueber meine Befugnisse aufgeklaert. Es stellte sich ebenfalls heraus, dass Grete noch nie Projektleitung gemacht hatte, was fuer mich auch die chaotische und planlose Rangehensweise der ganzen Aktion erklaert.
Jedenfalls war ich dort, obwohl ich noch meine Hilfe fuer die restliche Zeit des Ausstellungsbaues angeboten habe, nicht mehr erwuenscht.

Von Øystein wurde mir vorgeworfen, ich haette raushaengen lassen, dass ich eh nicht dort arbeiten wollte, sondern in Kristiansand bei Ralf. Das ist so nicht richtig. Richtig ist: am Freitag, 20.8.04 in der Mittagspause – die ich mit mehreren Kollegen draussen sitzend verbrachte – ,(zu einem Zeitpunkt, als nur wenige aus dem Kurs wussten dass Ralf und ich zusammen sind), kam Øystein auf mich zu und fragte aus heiterem Himmel, ob ich am Wochenende nach Kristiansand fahren wuerde. Ich war ziemlich perplex und antwortete mit ‚Ja.’. Daraufhin war es Øystein, der mich fragte, ob er mir eine Stelle in Kristiansand suchen sollte. Im Beisein meiner Kollegen fand ich die Frage unpassend, habe jedoch mit ‚ja, gerne’, geantwortet, weil das natuerlich schoen gewesen waere.

Vor allem, da ich bereits da zu der festen Ueberzeugung gelangt war, dass mich Nysted nicht behaelt. Mir erschien das Praktikum dort eher wie eine ABM-Massnahme, weil gerade jemand gebraucht wurde. Wie Aussage, dass ich nach dem Ausstellungsbau dort in der Ausstellung arbeiten solle, naemlich in der Butikk, war fuer mich sehr unglaubwuerig. Ich weiss ja nicht, was Øystein den Leuten von Nysted versprochen hat, wie toll mein Norwegisch ist, aber es ist doch wohl unrealistisch, dass ich nach sieben Wochen Sprachkurs und sechs Wochen Praktikum so gut Norwegisch spreche und vor allem Dialekte verstehe, dass ich im offenen Verkauf arbeiten kann.

Ich versuche derzeit, in Kristiansand eine Arbeitsstelle zu finden, was sich als nicht so leicht herausstellt, da ich mich auf norwegisch nicht so richtig gut verkaufen kann und mein Handikap ist, dass ich zwar von sehr vielen Dingen ein bisschen Ahnung habe, aber eben keine Taetigkeit sehr lange ausgeuebt habe, was bedeutet, dass ich nicht von heute auf morgen komplett alleine losziehen kann. Øystein ist absolut nicht kooperativ und in keinster Weise hilfsbereit. Ich bin sehr unzufrieden, ziemlich gefrustet und kurz vorm resignieren.
Nachdem er sich ein paar Tage gar nicht geruehrt hat, kam ploetzlich die Aussage, ich haette ja sehr wenig Berufserfahrung und waere somit sehr schwer zu vermitteln (was erstens nicht richtig ist und ihm zweitens verflucht spaet auffaellt). Daraufhin hatte ich ja in Flensburg die Gueltigkeit des Vertrages angefragt.

Øystein meinte dann, es waere schoen, dass ich mich hier selbst kuemmer und er guckt auch mal. Erst, nachdem bei mir keine positiven Ergebnisse aus eigener Suche sichtbar sind und ihm wohl nach der Arbeitsamts ‚Stand der Dinge’-Anfrage ein bisschen was brennt, hat er sich gekuemmert. Und eine Firma in Stavanger gesucht, bei der ich Montag anfangen soll. Dabei soll es sich um ein Bauunternehmen handeln. Es gab angeblich zuerst auch Schwierigkeiten, weil die keine Frau wollten, insofern bin ich mal gespannt, wie sich das anlaesst, vor allem, da ich mich natuerlich frage, wie er diese Firma dazu gebracht hat, es trotzdem mit mir zu versuchen.

Øystein hat ueberhaupt nicht mal versucht, mir im Umkreis von +/- 1 Stunde um Kristiansand herum eine Stelle zu besorgen, was mich sehr enttaeuscht.

Ueberhaupt ist sein ‚Laissez-faire’ und ‚Schaun mer mal, det ordner seg’ im Umgang mit uns ueberhaupt nicht witzig und sein Organisationsvermoegen schlecht.

Ich bin sehr sicher, dass ich nach einem Jahr in Norwegen und einigen Kontakten zum Handwerk mit Sicherheit solche Dinge besser organisiert bekomme als er. Vor allem nehme ich mehr Ruecksicht auf die durch neue Sprache, neues Land, neue Leute, neue Arbeit ziemlich angespannten Nerven der Kursteilnehmer. Und sein Gerede, er wuerde uns Firmen suchen, die zu uns passen, ist totaler Unfug. Die Firmen haben eine Liste erhalten mit unseren Daten und haben geguckt wen sie wollen. Er hat uns schlichtweg an die Firmen verkauft.

Es tut mir wirklich leid, dass ich gezwungen fuehle, diesen Brief zu verfassen, denn ich war immer diejenige unter uns, die Øystein und seine Absichten bis zuletzt verteidigt hat vor den anderen. Aber auch ich habe jetzt genug und bin sehr enttaeuscht, vor allem, weil ich bis vor kurzem noch gehofft hatte, mit Øysteins Unterstuetzung hier in Kristiansand eine neue Stelle zu finden.

Mit netten Gruessen

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