Fertigmachen um des Fertigmachen Willens?

Ich bin ja eine Ausbildungsfertigmacherin. Soll heißen, fange ich irgendwas Ausbildungstechnisches an, dann mache ich es fertig, komme was wolle. So hab ich mich durch meine Tischlerinnenausbildung zu Ende gequält, obwohl ich das letzte halbe Jahr im mobbendem Betrieb die Arbeitsstunden bis zur Prüfung gezählt habe und abgestrichen auf einer Liste. Womit ich mich dermaßen verrückt gemacht habe, dass ich bald durch die Arbeitsprobe gerasselt wäre, ich war sowas von runter mit den Nerven…
So habe ich mein endlos langes Studium fertig gemacht, obwohl ich die letzten zwei Semester schon sehr wenig Lust dazu verspürte und eigentlich die Nase voll hatte.
Und meinen Meisterbrief beendet und dabei noch mal 1000 Euro versenkt für den Präsenzunterricht in Oslo versenkt, weil das mit dem Online-Fernstudium so gar nicht meines war (auch wieder was gelernt).

Eines der Dinge, die mir derzeit so durch den Kopf gehen, ist das Studienfach, dass ich mir ausgesucht habe und mache.
Projektadministration im Baufach. 30% Projektverwaltung am Beispiel Straßenwesen, das war ja die nervige Straßenbauaufgabe, Pille-Palle-Examen ist Mittwoch (10 Min. mündliche Präsentation in der Gruppe, Note steht mehr oder weniger schon durch die schriftliche Arbeit fest).
Ich weiß, ich habe keinen Nerv, mich beruflich damit zu beschäftigen. Ich bin nicht so DER Papiertiger, packe lieber einfach mal was an und mache.  Und das ist genau das Gegenteil von dem was die da machen.

Nun 10% Ausschreibung, Angebot, Kalkulation. Abgesehen von der Professorenschlaftablette interessiert mich nach den ersten Einblicken nicht mal die technische Seite des Ganzen, das Kalkulationsprogramm.
Nöööö, lass mal, sowas muss ich nicht beruflich machen, reicht wenn ich Ausschreibungen lesen kann und verstehe, ich muss nicht welche selber produzieren.

60% das neue Plan- und Baugesetz. Letzte Übungsaufgabe mussten wir für ein Einfamilienhaus die neuen Formulare erstellen, bzw ausfüllen. Bauantrag, Nachbarwarnung und alles andere.
Mit dem neuen Gesetz wird wesentlich mehr Verantwortung auf den B auherren abgewälzt. Man muss allerlei Quark angeben, wo ich überhaupt nicht hinter dem Gesetz stehe. Und mehr und mehr merke ich, dass die Einflussmöglichkeiten wesentlich geringer sind im Bauamt, als ich so angenommen habe. Zum einen durch Gespräche mit dem Dozenten und zum anderen durch die Gesetzeslage. Soll heißen, selbst wenn da ein Investor mit einem total bescheuerten Planvorschlag kommt ,der jedem guten Architeken (und davon sind mir hier im Sørlandet bisher nicht viele begegnet) die Haare zu Berge stehen lässt, solange die Nachbarn da nix gegen haben (Politiker ggf. eine Sondergenehmigung erteilen wg Abstand oder Abweichung vom Regulierungsvorschlag) und da keine sachlichen Fehler im Antrag sind, dann muss ich das durchwinken. Bah.
Ich will nicht mehr im Bauamt arbeiten.
(Abgesehen davon, dass ich meine ‚Ich will keinen reinen Bürojob mehr‘-Litanei auf eine Bauamtsstelle auch anwenden sollte und könnte).

Jedenfalls überlege ich jetzt, was ich mache. Weiter zwei Tage die Woche nach Grimstad fahren und Geld verfahren, sowie dabei an mindestens einer Veranstaltung teilnehmen, die mir nicht gefällt. Weiter Freizeit aufbringen um Übungsaufgaben zu lösen und dann im November für ein Examen zu lernen, nur damit ich das Fach fertig mache?
Oder einsehen, dass ich mich vielleicht einfach für ein falsches Fach entschieden habe und alles knicken?
Oder als dritte Möglichkeit nur noch zu dem Teil hingehen, den ich interessant finde, mich aber vom Hauptexamen abmelden und dem Gesetzesdozenten mitteilen, dass ich die Übungsaufgaben nicht mehr weiter einreiche?

Im Moment tendiere ich ja zu letzterem. Nur noch Montags zum Plan- und Baugesetz gehen und Spaß dabei haben. Dienstags zu Ausschreibung/Angebot nicht mehr hingehen. Von der Prüfung abmelden und keine Übungsaufgaben mehr machen.
Dafür in der freien Zeit andere Dinge verfolgen, die ich auch so im Kopf habe, wie z.B. das derzeit gerade etwas stockende Longarmquilten.

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