Kampf begonnen

Gestern war das erste Treffen des Kurses ‚Grete Roede‘. das ist quasi eine Art norwegische Weight Watchers. Weight watchers selbst gibt es in Norwegen nicht, die haben es zwar mal in den 80ern versucht, waren aber an der norwegischen Kultur gescheitert und sind wieder abgezogen.

Grete Roede also ist eine Frau, die in den 70ern beschlossen hat, was ordentliches zu machen, da es zu dem Zeitpunkt hier keine Ernährungsberatung oder sinnvolle Abnehmkurse gab. Mittlerweile gibt es sie überall in Norwegen und zwar sehr erfolgreich.
Jedenfalls bin ich nun auch dabei, dachte ich brauche mal Hilfe und die Ärztin hat es empfohlen. Für eine…hm…professionelle Gruppe am Krankenhaus, die unter Betreuung abnimmt…hab ich nach ihrer Aussage nicht genug Gewicht und keine Essstörung und müsste mindestens ein Jahr warten. Naja gut.

Jedenfalls haben wir uns nun gestern gewogen, jeder einzeln, mit Klamotten. 75 kg hatte ich damit, das passt schon. danach hat sie ein bisschen was Allgemeines erzählt, was halt empfohlen wird. Ich hab mich mühsam bezwungen und keine dummen Fragen gestellt, dachte ich mach mich mal nicht gleich unbeliebt. Da wäre zum einen die typisch norwegische Empfehlung, doch jeden Tag einen Teelöffel Lebertran zu sich zu nehmen, sowie eine Multivitamintablette wegen der Vitamine. Beides scheidet definitiv für mich aus, in Norddeutschland leben die Leute auch ohne Lebertran ein langes Leben mit nicht mehr Sonne als im Sörlandet. Und was die Nahrungsergänzungsmittel angeht, haben die hier eh einen kleinen Schatten.
Das nächste war die Sache mit dem ‚es ist ja allgemein bekannt, dass man möglichst 2 Liter Wasser am Tag trinken soll‘. Ja, schon erkannt, wie fleißig und genau die Frau dem Weltgeschehen folgt, bzw. die Zeitung liest. Nachdem ich nun gerade letzte Woche in 2 norwegischen Zeitungen, sowie dem Spiegel den kleinen Artikel über genau dieses gelesen habe. Das es nämlich KEINE Belege gibt und keine Untersuchungen, dass dieser empfohlene Wasserkonsum von 2 Litern einen gesünder und länger leben lässt.

Klar, wir brauchen nicht über eine angemessene Menge Flüssigkeit am Tag zu diskutieren. Aber es gibt eben NULL Belege, wieso es 2 Liter sein muss. Ich verbuche das also unter Binsenweisheit und trinke einfach so viel, wie ich schaffe. Manchmal mehr, manchmal weniger, in jedem Fall aber unter 2 Litern. Mein persönliches Maximum liegt bei knapp 1,5 l und dann muss ich wirklich alle paar Minuten auf Klo und wache nachts 2x auf, was mich dann äußerst schlecht gelaunt macht.

Egal, wir haben also eine Menüempfehlung bekommen, meine liegt bei 1600 Kalorien. Für mich eine willkürliche Zahl, denn im Gegensatz zu vermutlich 99% aller Frauen habe ich noch niemals in meinem Leben eine Diät gemacht (okay, wenn ich mal weglasse, dass ich mit 13 eine Woche Kalorien nach einer Tabelle aus der Bravo gezählt habe, aber das lief eher unter ‚lustig‘ als unter abnehmen). Ich hab null Ahnung, wieviel Kalorien eine Scheibe Brot hat oder ein Klecks Butter.
Ich kann unterscheiden zwischen ‚wenig‘ (Wasser, Obst und Gemüse) und zuviel (Eis, Chips, Schokolade, Cola). Alles dazwischen entzieht sich meiner Kenntnis.

Das wird sich nun aber rapide ändern, wir haben alle ein Arbeitsbuch bekommen, in dem alles genau aufgeführt ist (norwegische Lebensmittel halt, interessant, was hier so als normaler Brotaufstrich gilt, auch wenn ich das ja bei meinen Kollegen manchmal sehe: Makrele in Tomate, Leberwurst aus der Dose, Mayonaise aus der Tube etc.). Es gibt Gemüse von denen man essen kann soviel wie man Lust hat, es ist nichts verboten, gibt aber die Unterteilung in ‚Ja‘-, ’nein‘- und ‚ein bisschen‘-Essen. ‚Ja’= immer soviel man will, ‚Nein’=nicht verboten, aber selten, ‚ein bisschen’= in kleinen Mengen aber regelmäßig. Dazu noch 2 ‚kosebons‘ pro Tag, sowas wie 2x 25 Kalorien zum verjubeln für Süßes oder ähnliches.

Heute war ich nahe am Hungertod, bevor ich mich nach allerlei Blättern im Buch schlau gemacht hatte, wie viel ich wovon essen sollte, ohne dass es zu viele Kalorien werden. Aller Anfang ist halt schwer.
Es gab Fisch mit Reis und Spinat.

Das Lustige ist, als ich 40gr Trockenreis (entspricht ca. 100 gr gekochtem Reis) von der Kaffeetasse in das Schnapsglas umfüllt, um ein Größenmaß zu haben, hab ich mich noch geärgert und gedacht, so ein Firlefanz für so ein bisschen Essen und wie soll ich überhaupt von dem bisschen Reis, die Hälfte von dem was ich sonst esse, satt werden. Aber siehe da. Die Portion war völlig ausreichend und groß genug. Ich bin auch eine Stunde später noch satt. 🙂
Ich bin wirklich davon überzeugt, dass ich gar nicht mal so ungesund esse bisher, Kuchen und Torte mochte ich eh nie und ich finde, mein Konsum von Schokolade und Chips ist im Normalbereich.
aber von allem was ich sonst esse, esse ich schlicht zu viel (und bewege mich halt seit 2 Jahren zu wenig). Also gilt jetzt mein Hauptaugenmerk erstmal den reduzierten Portionen, was aber trotzdem anstrengend ist.

Ich arbeite mich also so durch das Buch und komme zu den Seiten, wo man allerlei Maße und so eintragen soll. Schockschwerenot.
Ich sehe mich als ‚ein bisschen moppelig‘ und bin in erster Linie davon abgenervt, dass meine Klamotten alle so schlecht passen, dass ich mittlerweile echt kurzatmig bin und vor allem Rückenprobleme bekomme. Zu dick finde ich mich eigentlich nicht. Meine Oma ist dick, aber ich doch nicht. Es ist eben nur unangenehm, weil vieles so viel anstrengender geworden ist die letzte Zeit.
Nachdem ich also meine ganzen Daten wie Gewicht, Größe und verschiedene Körpermaße eingetragen habe…krieg ich fast die Herzattacke. Nach BMI, der WHO und allen anderen schlauen Tabellen, die irgendwie als Größenordnung halbwegs medizinisch ernst zu nehmen sind…habe ich nun einsehen müssen, dass ich Übergewicht mit erhöhter Gesundheitsgefahr habe. An der Grenze zum Fedme (ist das Fettsucht?). Egal, immerhin ist mein Selbstbewusstsein dadurch nicht angeschlagen. . Aber es macht mir doch bewusst, dass ich mir nicht nur einbilde, dass ich gesundheitlich schlecht dran bin zur Zeit.
Werde wohl genauso lange brauchen die Kilos wieder loszuwerden, wie sie gebraucht haben ich anzuschleichen. Ich hab mir mal ein Jahr gegeben, um 13 Kilo zu verlieren. das ist einer pro Monat und damit wäre ich dann auch schon völlig zufrieden. Ich habe Zeit und überhaupt keine Lust zu hungern oder meine Gedanken nur noch ums Essen kreisen zu lassen. 🙂

Und deswegen mach ich jetzt Feierabend hier, ich hab noch ein paar andere Dinge zu tun.

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