Letzte Eindrücke

Nun liegt sie also ausgebreitet auf dem Bügelbrett und ich überlege, wie ich damit weiter vorgehe. Omas letzte Stickarbeit, eine kleine zu bestickkende Tischdecke mit Blumen und Schmetterlingen.
Als sie gestorben ist, habe ich für meine Erinnerung 3 Bilder gemacht. Die mich nie vergessen lassen werden, wie sie so viel Zeit in den letzten Jahren verbracht hat.
In ihrem Sessel sitzend mit einer Handarbeit.

Ich denke, ich versuche an einer noch nicht begonnenen Zeichnung mein Glück im Freihandsticken mit der Nähmaschine. Vorher Stickvlies unterbügeln nicht vergessen.
Und sollte das so klappen wie ich mir das vorstelle, werde ich nach und nach die Stickerei mit der Maschine beenden.
Denn zum einen kann ich nicht wirklich sticken, nur den Applikationsstich und zum zweiten hab ich da auch nicht so recht den Nerv zu. Und wenn ich mit meinem Favoritwerkzeug arbeite, dann sieht man eben auch klar, was von mir ist und was von Oma.
Eine Gemeinschaftsarbeit. Schade, dass wir nicht noch ein bisschen mehr Zeit zusammen hatten. Aber die vielen Omabesuche der letzten Jahre waren immerhin das, was ich beitragen konnte. Oma fand es immer ganz schrecklich, dass sie nicht mehr gesund genug war um mich in Norwegen zu besuchen. Und wie toll Opa (tot seit 2000) es gefunden hätte, dass ich in Norwegen bin, wo er hier doch in Kriegsgefangenschaft war. Leutet mir zwar nicht so ganz ein, weil ich denke, wenn er hier doch in Kriegsgefangenschaft war, dann müssten doch seine Erinnerungen nicht schön gewesen sein.
Wobei wir in einem alten Fotoalbum recht viele Bilder aus Norwegen gefunden haben. Die Geschichten zu den Alben kennt nichtmal mein Paps, leider. Und ich kannte diese Alben nicht mal, hab ich nie im Leben – immerhin 37 Jahre lang – zu Gesicht bekommen.
Tragisch, wenn lebende Geschichte stirbt und man irgendwie erst hinterher drauf kommt, dass man von so vielen Dingen nichts wusste, bzw. nie gefragt hat. Zu spät.

Tjo, und ich werd mich jetzt mal über die Decke hängen und überlegen, wie ich da dran gehe.
In zwei Stunden ist der Mann sicher auch wach und dann geht’s nach Kristiansand auf den Bauernmarkt, den Altstadtmarkt und die Parade zum Christopher-Street-Day gucken. Und bei Rannveig in den Quiltladen gucken und die Fotos vom Sommerfest mitnehmen zum Veröffentlichen.