Norwegisches Gesundheitssystem ist, wenn…

– der Mann ein halbes Jahr auf eine klitzekleine lokale Operation wartet
– der Termin dazu dann sehr kurzfristig – und super für den Arbeitgeber zu planen – per Brief zugestellt wird
– der Ort zum Termin sich in der Tageschirurgie in der eine Autostunde entfernten nächsten Kleinstadt befindet – obwohl es diese Abteilung auch in Kristiansand gibt
– der Termin auf 8 Uhr morgens gelegt wurde, obwohl ja durchaus zu ersehen ist, dass wir nicht von nebenan kommen.

Weiterhin steht also die Herzliebste – in diesem Fall ich – sehr früh morgens um viertel nach sechs auf – wohlgemerkt zwei Stunden vor der üblichen Zeit.
– wir schlagen viertel vor acht im Nachbardorf auf an der richtigen Stelle
– mein Hinweise darauf, dass ich gerne um 10 Uhr in KRS arbeiten gehen möchte wird mit bedenklicher Miene zur Kenntnis genommen
– sagt die wie auch immer Pflegetrulla oder wie die sich nennen: ja, er ist ja der erste auf der Liste in seiner Gruppe, aber ist ja Freitag, da fangen die Ärzte immer etwas später an
– ich bin nicht richtig wach und daher denk- und sprechgelähmt, was mich und vor allem die Trulla vor üblen Kommentaren jeder Art bewahrt
– wir warten – die halbe Stunde fühlt sich allerdings eher wie anderthalb an, zieht es mir doch die ganze Zeit eigentlich die Augen zu
– der Wartebereich besteht aus einem offenen Schlauch mit Bänken an den langen Wänden und einem neckischen knietiefen Ablagetisch in der Mitte, so dass alle ihre Füße einziehen müssen, wenn man rein möchte
– nach 3 Minuten – ich hatte mich gerade ins Buch vertieft – kommt der Mann, nimmt seine Jacke und sagt, willst du mit?

Klar, ich stehe auf, gehe mit auf den Flur, bis es äußerst zeitverzögert mein Gehirn erreicht. Gehen? Wohin? Er: Nach Hause. Ich: Wie gez *nixversteh*? Er: Ja, nach Hause halt. Die machen da jetzt nix.
Ich: *rauchwolkensteigenausmeinennasenlöchern*

Auf dem Weg die Treppe runter erklärt der Herzliebste, der norwegische Arzt hätte da an der Stelle am Handknöchel rumgedrückt und dann festgestellt – Überraschung, vielleicht doch mal die Diagnose vorher lesen? – dass ja da drunter die Hauptader laufen würde, dass da zwar auf der anderen Seite auch noch eine wäre, die es aber nicht schaffen würde, wenn er da jetzt was beschädigt und dann die Hand eingeschränkt sein könnte.  Und deswegen macht er jetzt erstmal nix, sondern lässt erstmal eine MRT (Kernspin) veranlassen. (Ich bilde mir freundlicherweise an dieser Stelle ein, ein ausländischer Arzt hätte das alles viel viel besser gemacht und so weiter, nur damit ich an was rumnörgeln kann)
Weswegen wir unverrichteter Dinge wieder nach Hause dürfen, weil jetzt muss man ja erstmal einen Termin dafür organisieren, wann auch immer.

Die drei Stockwerke die Treppen runter habe ich zum herzhaften Fluchen, Nörgeln und Mordpläne entwickeln genutzt – der Rest des Tages verlief dann halbwegs normal.

2 Kommentare

  1. Naja, eher nicht, halt eine Stunde später bei der Arbeit als ich sollte, weil ich mich dann zuhause noch mal eben eine halbe Stunde hinlegen musste, um nicht beim Fahren einzuschlafen. Aber es wäre mir lieber gewesen, der Mann wäre dann schon mit der OP durch gewesen und nicht, dass sich das jetzt noch endlos verschiebt.

  2. Aber so warst Du doch immerhin pünktlich in KRS, oder?

    😉
    Frieder