„Schultze gets the blues“

Ein Film, den ich nur empfehlen kann. Wer andere Filme, wie z.B. ‚The Straight Story‘, ‚Kitchen Stories‘ oder ‚Zugvögel – Einmal nach Inari‘ mag, der mag auch Schultze. Meine eigene Kurzfassung: Nach der Verabschiedung in den Vorruhestand entdeckt Schultze – gefangen in Spießigkeit aus Heimatverein, Akkordeon-Polka und Gartenzwergen – des
Nachts den Blues im Radio. Erst aus der Bahn geworfen ob der Ungewöhnlichkeit, macht er sich letztlich auf die Suche und entdeckt Amerika.

Aus der ‚cinema‘- Rezension:

Keine Action. Keine Weichzeichner-Romantik.
Eigentlich nicht mal richtige Dialoge: Horst Krause schweigt sich durch die schrägste deutsche Komödie seit langem.

„Det war’s denn wohl“, sagt einer von Schultzes (Horst Krause) Bergbau-Kumpels nach
dessen Verabschiedung in den Vorruhestand. Plötzlich fragt sich Schultze: Was war da eigentlich? Mal abgesehen von den schlauchenden Arbeitsschichten, chronischem Husten, Schrebergarten, Angeln, dem Heimatmusikverein und der muffigen Stammkneipe? Eigentlich nichts. Und weil das zu wenig ist, schnallt sich Schultze sein Akkordeon um und reist zum „deutschen Wurstfest“ in die ferne texanische Schwesterstadt seines Kaffs an der Saale, um endlich die Stille hinter sich zu lassen.

„Ich wollte die Grenzen zwischen Dokumentarfilm und Fiktion überschreiten. In meinem Film agieren Laiendarsteller gleichwertig neben den Profis, das macht die ganze Sache lebendiger“, sagt Regisseur Michael Schorr, dem seine Kurzfilm- und Doku-Erfahrung („Fisch Meer Blues“) hier sehr zugute kommt: Sein unerträglich spießiger, unendlich sympathischer Schultze macht die absolut realistische Erfahrung, dass in der amerikanischen Pampa gar nicht so viel anders gevolkstümelt und provinzelt wird als in Sachsen-Anhalt. Schorr ist eine staubtrockene, herbe, minimalistische Tragikomödie gelungen, die an Schweigsamkeit und bizarren Figuren ihresgleichen nur in Kaurismäki-Filmen findet.

Ein total klasse Film, der noch lange nachwirken wird. 🙂

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