selten dämlicher Tag heute

Fing gestern Abend schon schlecht an, als ich mich mit dem kleinen Aufsatz ‚Meine Heimatstadt‘ befassen
musste. Wir sollten einfach bloß ein paar norwegische Sätze formulieren darüber, wo wir herkommen, wie Wetter/Klima dort ist, was wir da machen.

Also gut. Hannover. Nee, keine Heimatstadt. Ich wohn da zwar, meine Wohnung ist schön, ich wohne gern in Linden, aber damit hat sich’s auch schon. Kenne nicht wirklich was von der Stadt und kenne keine 5 Leute dort richtig.

Also Bremen. Gleich Anflug von Heimweh.
Aber irgendwie…da sind zwar einige Freunde und viele Bekannte (minimäßig halt), aber Heimat. Nee auch nicht. Muss nicht unbedingt zurück, wäre zwar nett, aber so richtig heimisch war ich dort auch nicht, hab ja nur ein Jahr dort wirklich gewohnt.

Detmold. Der Gedanke kommt mir erst gerade jetzt, wäre eh völlig indiskutabel gewesen. Studienort, mehr nicht.

Oldenburg, naja, auch nicht so wirklich meine Heimatstadt. Zur Zeit verbinde ich mit Oldenburg nur
Arbeitsort, meine Eltern haben eh nie Zeit für was anderes. Und außer meiner family und Kumpel in P’fehn ist da auch keiner mehr.

Weswegen ich also derzeit ohne Heimat bin, am ehesten noch Deutschland an sich.

Treibe wie ein Blatt im Wind und komme nie zur Ruhe. Da war ja schon mal Klumpen im Magen.

Heute Morgen dann der immer mal zwischendurch auftauchende Gedanke, keine hat mich lieb. Und in der
Pause festgestellt, dass ich heute nah am Wasser gebaut bin, auf Scherze nicht wirklich reagiere und schnell hochgehe, was natürlich alle mitbekommen haben. Am Mittag gemerkt, dass ich am Rande des
schwarzen Loches wandel und wenn ich reinfalle, ist der Rest der Woche gegessen. Davon noch schlechtere Laune bekommen und versucht, nicht ins schwarze Loch zu fallen.

Bemerkt, dass mir alles gerade etwas viel wird. Die Katzenunterkunftssuche, das nahende Praktikum, das
Gelaber der anderen über Organisatorisches und Mutmaßungen, wer wo hinkommt. Der viele neue norwegische Stoff, den ich schon kaum nachgearbeitet bekomme.

Das ich mich gezwungen fühle, mich mit mir selbst auseinander zu setzen. Heute auch mit T. beim Vokabel
lernen darüber gesprochen. Das Gefühl, dass ich jetzt entscheiden muss, ob ich dort hingehe oder nicht. Ob ich nach dem Praktikum wieder nach Hause fahre. Dass ich Muffe habe vor der praktischen Arbeit, dass ich das nicht packe, weil so vieles so lange her ist und meine Handwerkskenntnisse vielleicht nix mehr taugen.
Dass ich das körperlich nicht packe. Dass ich total einsam und alleine auf mich gestellt bin und deswegen durchdrehe. Dass ich niemanden verstehe und mich niemand. Was ich mache, wenn ich jetzt
beschließe rüber zu gehen und dann IKEA sagt ‚hallo wir wollen jetzt‘. Dass ich das Gefühl habe, mich an einem Wendepunkt meines Lebens zu befinden, an dem ich mich entscheiden muss, ob ich nach links oder nach rechts gehe.
Das ich mich vor der falschen Entscheidung fürchte und nachher sitze ich dort fest und kann nicht zurück, selbst wenn ich will.

Dass ich alleine schon den Katzen zuliebe jetzt eine Entscheidung fällen müsste, damit die nicht wieder 6 Wochen hier, dann vier Wochen bei mir und wieder woanders sind. Die kriegen doch auch voll den Rappel.

Eigentlich müsste ich schon ein halbes Jahr dort bleiben, damit sich das mit der Sprache wenigstens
gelohnt hat. Bei dem Tempo und der Stoffmenge bleibt sonst ja nix übrig, wenn ich das nicht übe.

T. meint, wieso ich nicht alle auf mich zu kommen lasse. ich würde mir zu viele Gedanken machen.

Dabei mache ich doch gar nicht so viele Gedanken. Ich durchspiele nur alle Möglichkeiten die es gibt,
damit ich mich auf alle Eventualitäten vorbereiten kann. Sozusagen Plan A, B, und C entwickeln kann. Was einfach zu meiner persönlichen Sicherheit beiträgt. Basta.

Plan A lautet jetzt erstmal ganz akut, eine Bekannschaft zu pflegen, statt zu zerstören und besser
daran zu arbeiten, dass mal Freundschaft oder zumindest GUTE Bekanntschaft draus wird 🙂

Kommentare sind geschlossen.