Sonntag, 15. August 2004, 20:15 h

Aloah. Ein schönes Wochenende mit Ralf verbracht. Samstag zwar eigentlich nur rumgehangen, aber war trotzdem sehr nett. Heute zusammen mit Ralf und mit Andreas zum ‚prekestolen‘ gefahren. Eine DER Sehenswürdigkeiten hier in der Gegend. War dementsprechend auch sehr viel los. Ein Stück Felsplateau, welches so in die Gegend ragt und zwar ungesichert. Soll heißen, man kann sich in 600 Höhenmetern an die Kante setzen und mit den Beinen über dem Fjord baumeln. Der Aufstieg ist ungefähr zwei Stunden über Stein. Nix da mit geteert oder auch nur Schotter, nein, man steigt über einen Felsbrocken nach dem anderen. Gut aus der Puste gewesen, hat sich aber total gelohnt. Die Aussicht ist der totale Wahnsinn.

Gestern ist mir aufgefallen, dass sich in mir eine seltsame Ruhe breit gemacht hat.
Ich bin darüber leicht irritiert, weil ich sie nicht einzuordnen weiß. Die Ruhe vor dem Sturm? Zwangsruhe durch die Sprachbarriere? Also, ich rede schon ziemlich viel weniger als sonst,
außerdem ist den Jungz aufgefallen, dass ich sehr viel weniger Energie versprühe als noch in Flensburg. Najo, die Arbeit macht mir halt doch ziemlich zu schaffen, weil anstrengend und weil ich nicht weiß, was als nächstes kommt, ob ich Chancen auf Übernahme dort habe oder was auch immer.

Mir fehlt das Internet so sehr, ich kann gar nicht recht ausdrücken WIE sehr. Hab schon rausbekommen, dass ich zwar auch per WAP ins Netz gehen kann, aber das kostet richtig viel Geld und auch dafür muss ich
mich anmelden. Ohne die Personalnummer geht hier gar nix. Heisst also warten, warten, warten.

Eik und Sven haben sich gerade ein bisschen. Ich denke, Sven schmeißt hier irgendwann die Brocken. Najo, muss jeder selber wissen. Ich weiß ja auch noch nicht mal, was ich nach dem Praktikum mache. Weiß
ja nicht mal, was ich in den nächsten Wochen an Arbeit zu erwarten habe. Hab ein bisschen das Gefühl, dass meine jetzige Aufgabe halt etwas ABM-mäßiges hat. Hat sich sozusagen gerade ergeben. Als Test seh ich das jedenfalls nicht so recht. Bin ja mal gespannt ob Øivind morgen pünktlich zur Arbeit
kommt. *gg *. Dabei wohnt er nur 300 m von der Firma entfernt. Ich hätte ja auch noch Interesse an einer kleinen Wohnung dort in der Ecke. Wenn ich hier ein halbes Jahr rum habe, dann bin ich hoffentlich auch mit meiner Sprache weiter. Und kann mich noch woanders bewerben.
Ralf wird wohl dort in Kristiansand bleiben, scheint eine klasse Firma zu sein. Haben super Kontakt zum Chef, die stellen vorerst die Wohnung, haben kein Problem damit in Vorleistung zu gehen, machen tolle Projekte. Das scheint der Nachteil an dieser großen Firma zu sein, dort interessiert sich echt keiner für
mich. Mag auch sein, dass das etwas an mir liegt, aber ich hab derzeit einfach nicht viel zu sagen und ich versteh einfach zu wenig.
Das macht mich echt etwas fertig. Also, ich denke zwar, dass das was ich verstehe, gar nicht soo wenig ist, aber mir kommt es so vor. Die alte Ungeduld. Erwarte nämlich eigentlich, dass ich nach einer
Woche alles verstehen kann. Trotz des ziemlich unverständlichen Dialekts, der sehr viel Nynorsk in der Sprache enthält. Als ob nicht das ganz normale Norwegisch schon schwer genug zu verstehen ist.

Sie sagen z.B. ‚hu‘ statt ‚hun‘ (was ’sie‘ bedeutet in der Einzahl), sie sagen statt ‚i morgen‘ ‚i moro‘ und so weiter. Dazu noch viele andere Worte.
Ist aber nicht so, dass ich mir das einfacher vorgestellt habe. Ich hab mich noch genug ans Dänische erinnert, da war das auch so sauschwer zu verstehen und den einen im Wohnheim, der kam vom Festland und diesen Dialekt, da tun sich so gar die Seeländer (Insel auf der Kopenhagen liegt und die das reinste Dänisch sprechen) schwer.

Jo. Und jetzt bin ich auch erstmal wieder alleine, weil Ralf nämlich über drei Stunden nach Kristiansand braucht. Ich freu mich aber trotzdem schon auf die Hinfahrt am nächsten Freitag. Einfach wieder ein
bisschen nett mit dem Mini durch die Gegend cruisen und mich mit lauter Musi vollballern lassen. Fehlt mir nämlich gerade ein bisschen. Weil wenn ich morgens Sven mit zur Arbeit fahre und nachmittags wieder zurück, dann ist das nicht so nett, wenn ich da die Musi so aufreiße *g *.

Grundsätzlich hab ich hier ein gutes Gefühl. Um das mal festzuhalten. Zur Zeit ist mir auch noch nicht ganz klar, dass ich hier wirklich arbeite, in einem Land, in dem andere maximal Urlaub machen. In einer ziemlich unwirklichen Umgebung, die der totale Overkill ist. Dazu noch das gute Restsommerwetter. Wilde Himbeeren und Blaubeeren überall. Hinter jeder Ecke ein Bergsee. Um mich rum überall Berge. Die Nordsee immer noch näher dran als in Hannover. Vielleicht fahr ich da nämlich nächste Woche irgendwann nachmittags mal rüber. Ganz alleine. Mit Musi im Ohr. Hauptsache es scheint die Sonne noch etwas. Ganz so wamr wird es wohl nicht mehr werden, langsam wird’s hier Herbst. Der kommt dann doch etwas eher als bei uns.

Ach ja, bei dem Gang auf den ‚prekestolen‘ eine dicke Jacke abgestaubt. Die hing da so versteckt an einem Baum und keiner ist sie holen gekommen. Da hab ich mir die gleich mal unter den Nagel gerissen. Passt mir so gut, als hätte die da jemand für mich hängen lassen. Witzig. 🙂

So, jetzt ist es neun, ich werde noch mal schnell die Cola austrinken, mein Zimmerchen wieder zurecht basteln und dann langsam aber sicher schlafen gehen. Damit ich morgen früh um sechs Uhr überhaupt den Hintern aus dem Bett bekomme. Die ‚Wanderung‘ war nämlich dann doch ziemlich anstrengend und ich kann mit Sicherheit gut schlafen.

24.9.04 16:07 (hochgeladen bei 20six)

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