Überlegen

Ich halte mich für ziemlich intelligent und – wie vermutlich die Meisten von sich denken –  für etwas Besonderes. Was mich auf der anderen Seite nicht davon abhält zu glauben, ich könne eigentlich nichts so richtig und irgendwann würde jemand das mal merken und laut in die Welt schreien. Das war aber ein anderes Thema und nach monatelangen Psychologensitzungen im letzten Jahr bzgl. Depression arbeite ich ja auch fleißig am Selbstwertgefühl und es wird auch wirklich langsam besser, wie ich gerade so merke. Aber sich 25 Jahre lang nicht gut genug fühlen lässt sich nicht so wips beseitigen.

Jedenfalls, die Sache da mit der Intelligenz macht den Alltag nicht unbedingt leichter, weil ich dazu neige ‚Warum?‘-Fragen zu stellen, die besonders Führungspersonen häufig nicht mögen. Außerdem gibt es mir ein schnelles Auffassungsvermögen, was mich bestimmte Aufgaben einfach schneller erledigen lässt.
Je nachdem in welcher Branche man arbeitet und mit welchen Menschen man zu tun hat ist das gut oder schlecht.

Anstrengend ist das dann, wenn zwei Personen relativ gleichzeitig in einer Firma anfangen, beide Ausländer sind, beide Aushilfen ohne feste Stundenzahl sind, beide auf viele Stunden angewiesen, beide recht flink, beide scharf auf eine feste Stelle sind. Soll heißen sich eigentlich in einer Art Konkurrenzsituation befinden.

Wenn dann eine Person davon generell eher unsicher zu sein scheint (was vielleicht auch durchaus mit dem bisherigen Lebenslauf zu tun hat, den ich aber nicht weiter ausführen will), was aber durchaus noch ein bisschen an den Sprachkenntnissen oder aber der Kultur liegen mag, dann ist es verdammt schwierig, sich nicht nur nicht überlegen zu fühlen, sondern auch noch genau zu wissen, mit welcher Wortwahl man diese Person besonders gut treffen könnte. (Hach, war das nicht ein schöner deutscher Bandwurmsatz? ;-))
Zu wissen, dass ich diese Person überlegen wegmobben könnte, ganz gemein sein mit Worten und Körpersprache, und dann dumm tun und alles auf Verständigungsschwierigkeiten und Kultur schieben, dabei noch richtig gut wegkommen…..das ist ein ganz ganz beschissenes Gefühl.

Andererseits will ich mich nicht mehr immer um andere sorgen, dafür sorgen dass es anderen gut geht und alles läuft  und ich selber dann am Ende wieder dumm da stehe.
Also ist es wieder mal an mir, dass Gespräch mit dem führenden Personal zu suchen und gewisse Probleme bzgl. Bevorzugung anzusprechen.
Wieso eigentlich immer ich? Kann das nicht mal jemand anderes machen? Naja, was soll’s *seufz*. Diesmal geht’s immerhin auch um meine Wünsche, nämlich die nach festen Stunden in der Firma, da kann ich leider keine Rücksicht darauf nehmen, dass eine andere Person diese festen Stunden auch gerne will und nimmt. Ohne sich in irgendeiner Weise verantwortlich zu fühlen, dass es da noch jemanden geben könnte, der auch gerne Stunden möchte.

Und so schlimm ist es auch nicht, um Sachen zu kämpfen die einer wichtig sind. Das ist immer noch besser als andere vorzuschicken und sich zu drücken .:-)
Also mal schauen, wann meine Chefin mal wieder auf der Arbeit ist.

Und immerhin kann ich mich damit trösten, dass ich nicht heulen muss, weil ich mit andauernd einbilde, die anderen würden über mich reden, nur weil ich mal 5 Minuten alleine im Laden bin und die anderen im Pausenraum. Tss…Sachen gibt’s.

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