weiter gehts

Also. Die Arbeit bei Nysted hat mir ja an und fuer sich sehr gut gefallen. Es war bloss von Anfang an klar, dass das eigentlich eine ABM-Stelle ist, bis zur Fertigstellung der Ausstellung. Ich weiss ja nicht, was Øystein denen erzaehlt hatte, aber die muessen so eine Art Ueberfrau erwartet haben, die alles kann und dazu noch super Norwegisch spricht.
Ich habe die ersten Tage zusammen mit einem Fussbodenleger Trennwaende gebaut. Die woche drauf, war ich dann alleine, was mich ziemlich ueberfordert hat. Ich hab einfach ziemlich lange nicht mehr als Tischlerin gearbeitet und haette eigentlich eine Firma gebraucht, in der ich einfach mal drei Wochen mitlaufen kann, bevor ich was alleine mache. Mir fehlt halt die Berufserfahrung fuer sowas. Ausserdem hab ich bei naeherem Nachdenken festgestellt, dass ich eigentlich bisher immer in irgendeinem Team gearbeitet habe und sei es noch so klein. Das, was hier ’selbststaendig‘ bedeutet ist was anderes als bei uns. Hier meint das naemlich irklich einfach nur ‚ganz alleine‘.
Dementsprechend ist es dann erstmal nicht soo gut weiter gelaufen. Ich hab ziemlich langsam an allem rumgefrickelt, hatte kein anstaendiges Werkzeug und musste ueberall hinterher rennen. Dazu noch das eigene Gefuehl des unzulaenglich fuehlens.
Grete, die Frau die fuer die Ausstellungsplanung zustaendig war, hat mit Infos, was wann wie fertig sein sollte ziemlich hinter dem Berg gehalten. Auch die Maler wussten nichts davon, wann die Trennwaende fertig gemalert bzw tapeziert sein sollten. Insofern…
egal. Ist halt etwas ungluecklich gelaufen von allen Seiten. Vielleicht hab ich auch vorher einfach nur die Klappe zu weit aufgerissen. Keine Ahnung. Jedenfalls hat mich das ziemlich mitgenommen.

Ich bin allerdings nicht die einzige von uns, bei der es nicht ganz so klasse laeuft. Torsten hatte erst gar keine Firma, dann jetzt aber eine, die ihm schon einen Arbeitsvertrag gegeben hat.
Andreas‘ Chef konnte ihn nicht leiden und hat ihn nach zwei Wochen und tierisch vielen Ueberstunden auch nicht wieder sehen wollen. Ab morgen ist er auch in einer anderen Firma, naemlich bei David. Ich druecke ihm die Daumen, dass das gut wird. David ist gut untergekommen, er bekommt die Tage auch einen Arbeitsvertrag, ebenso wie Ralf hier in K’sand.
Eike muckelt die ganze Zeit auf dem Bau Gipskartonplatten zusammen und weiss noch nicht, ob er uebernommen wird, sieht aber wohl auch gut aus. Zumindest haben sich seine Arbeitsgeber bisher wohl gut geaeussert.
Sven, tjo, der kam gar nicht klar. Weder mit der Arbeit noch mit der Sprache. Nysted wollte ihn dann auch nicht mehr, Øystein sah sich wohl auch nicht in der Lage, was neues fuer ihn zu organisieren.
Mittwoch hatte Øystein mit uns gesprochen, dass Sven wieder nach Hause fahren soll, weil das nix wird. was ja grundsaetzlich auch richtig ist und Sven sich auch ueberhaupt gar nicht hier wohl gefuehlt hat. Er kommt aus einem kleinen Bergdorf und war eigentlich noch nie weg. wir haben dann gesagt, dass wir ihm nix sagen, dass es aber sein kann, dass seine Eltern ihn holen, weil er kein Geld hat.
Donnerstag war Øystein dann kurz bei uns, aber anstelle ihm zu sagen, dass er fahren soll, hat er nur rumgelabert. Was uns alle voll abgenervt hat, weil die Wohnung einfach zu klein ist fuer so viele Leute und Sven ja die ganze Zeit im Wohnzimmer schlaeft und Andreas im Flur.
Freitagmorgen haben Andreas und ich dann Øystein gefragt, wieso er Sven nix gesagt hat (mit dem unterschwelligen Vorwurf, dass er keinen Arsch in der Hose hat) und das das so nicht geht und was das sollte ihn zu vertroesten, wo er doch eh keine neue Arbeit hat. Daraufhin ist er dann wohl zu Sven gefahren und hat ihn dazu bewegt, am freitag gleich noch nachmittags nach Hause zu fahren. Unglaublich diese Art und Weise. Ich finde das ein Unding. Ich mein, fahren ist ja okay, aber doch nicht so kurzfristig. Ein Blødmann. Øystein. Das ist jedenfalls einer der Gruende, warum ich ihm nicht mehr ueber den Weg traue und versuche, selber was zu machen.
Ich habe zwar einen Arbeitsvertrag mit ihm, aber den koennte ER ja schaetzungsweise auch kuendigen. Weiss mans.

Immerhin ist meine Aufenthaltsgenehmigung da, so dass ich mir darum keine Gedanken mehr machen muss.

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