Wenn die Technik nicht will

Jahresende ist keine gute Zeit im Laden. Unser Weihnachtsgeschäft endet mehr oder weniger mit dem Black Friday Ende November. In spätestens einer Woche ist dann Stille. Auch jetzt kommen zwar viele Kunden, aber eben nur mit Kleinkram.
Das gleiche Spiel im Onlineshop. Der Online-Adventskalender ist an manchen Tagen ein Erfolg (freie Lieferung über niedrige Summe x), an machen nicht (Rabatt auf Wachstuch oder Reißverschluss-Meterware).

Trotzdem ist aber viel zu tun, nur eben nichts was Einnahmen bringt. Der Onlineshop hat schon wieder technische Schwierigkeiten beim Weiterleiten der Zahlungen zu Klarna, bedeutet viele Bestellungen kommen gar nicht erst weiter und die Kunden fallen weg.
Das zieht einen Haufen Extraarbeit nach sich mit den Bestellungen die manuell kommen, also über Facebook oder Mail. Außerdem ist Klarna jetzt abgeschaltet und wir schreiben erstmal wieder Rechnungen bis das Problem gelöst ist.
Jedesmal, wenn ich versuche an einer Ecke Geld zu sparen tauchen schwupps zwei neue Löcher auf die es zu stopfen gilt.

Heute habe ich noch einen Overlockkurs, dann ist erstmal Ruhe bis Januar mit Kursen.
Trotzdem platzt der Temrinkalender die nächsten Wochen – meist Organisation. Ich habe ein Treffen mit dem Steuerberater zum Budget-planen. Einen Teil hab ich schon fertig, aber die Einkaufsbudgets fehlen noch und ein Liquiditätsbudget – das ist der Plan der mir helfen soll, dann Geld auf dem Konto zu haben wenn die Rechnungen kommen, auch wenn wenig Kunden da sind.
Z.B. ist Januar/Februar Einkaufszeit von Sommerstoffen. Die Rechnungen werden dann im März fällig, aber März ist unser schlechtester Monat was den Umsatz angeht. Und das dann so zu planen, dass es trotzdem hinhaut.
Nicht wie jetzt, wo ich im Sommer wie eine Wilde Herbststoffe gekauft habe, und dann war es erst 15 Grad im September und dann schwupp Winter, ergo gar kein Herbst. So sitze ich dann (wie auch die Modehändler mit ihren Herbstklamotten) auf meinen nicht verkauften Herbststoffen.

Dann bin ich dabei für das Frühjahr einen Handlungsplan zu erstellen, für jede verfluchte Woche. Okay, das hab ich mir selbst eingebrockt, weil ich habe mir ein paar Termine bei einer Gründer-Mentorin gebucht habe, damit ich genau das mache, bessere Routinen und Pläne *lol*, aber trotzdem. Der Handlungsplan soll mir helfen eine Übersicht zu bekommen, was habe ich nächstes Jahr an Veranstaltungen, welcher Umsatz soll dabei rumkommen und was und wie lange vorher muss ich was machen. Und für die Wochen, wo nix ist, da muss was hin, z.B. ein bestimmtes Produkt was wir verkaufen wollen usw.

Dann bin ich dabei endlich noch jemanden einzustellen – worauf ich gerade gar keine Lust habe, was sich aber nicht vermeiden lässt, wenn ich nicht nächste Jahr Amok gehen will. Diesmal war meine Stellenanzeige gut genug formuliert, dass nur 40% Bewerbungen von Menschen dabei waren, die nicht nähen. Die sind ja immer die einfachsten. Schnell nett formulieren im Sinne von „Als Fachhandel muss man leider Nähen als Hobby oder Ausbildung haben, danke für deine Bewerbung“ und in alle ungeeigneten reinkopiert.
Sollte ich jemals wieder Bewerbungen schreiben müssen, dann nie wieder auf Stellen wo ich weniger als 60% geeignet bin. Was für eine Zeitverschwendung für den der das lesen muss. Und der eigenen Zeit.
Abgesehen davon kann man wohl sagen, dass alle unter 30 keine Lebensläufe mehr schreiben können, puhhhh….
Das sind dann Bewerbunge vom Schlag: Hallo, ich heiße, habe x Kinder, habe masse Erfahrung im Kundenservice und hab eine Nähmaschine die ich auch mal benutze. Sendt from my iphone7.
Ähm…Lebenslauf? Ordentliches Anschreiben? Fehlanzeige. Wenn man dann freundlich sagt, du, ich glaub du hast da deinen Lebenslauf in der Anlage vergessen, schick doch noch mal eben rüber….dann kommt nichts zurück.

Jendefalls, was ich eigentlich sagen wollte, nächsten Mittwoch hab ich zwei Interviews und ein bisschen gruselt es mich schom. Weil diesmal will ich doch alles richtig machen und auch gut vorbereitet sein, denn noch mal können wir uns keinen Reinfall leisten. Diesmal muss es passen. Erwartungsdruck also auch auf meiner Seite. Eine dritte Person wollte ich noch einladen, muss ich gleich mal anrufen.
Dann war ich ja an der Änderungsschneiderei dran im Sørlandssenter, da ist aber bisher nicht viel passiert. Ich hab zwar jetzt ein paar Bewerbungen von Schneiderinnen, aber der Leiter vom Senter sagt, er gibt mir am Ende der Woche Bescheid, wer den Zuschlag kriegt, weil jetzt hat er noch ein paar andere die interessiert sind. Ehm ja. Ist ja nicht so, als hätte ich nicht zu tun. Aber gut. Kann man seine Energien erstmal woanders reinstecken. Auch wenn ich jetzt natürlich erst recht und so.

Dann Inventur – da muss ich mir wirklich langsam einen Kopf machen wie organisieren. Wann und wer und wie. Ist ja nicht wenig was wir zu zählen haben und viel schlimmer, wir MÜSSEN unbedingt einen Durchgang durch die Stoffe machen und gucken, ob die Menge ca stimmt. Pluss dass wir haufenweise Waren haben aus den Ladenübernahmen und die zähle ich anders. Aber eigentlich kann nur ich das machen, auch wenn ich bei den Reißverschlüssen selber den Überblick verloren habe. Ist ja alles bunt verteilt.
Aber das wird schon. Nur nicht zu viel zählen, das ist die Devise. Mich gruselt es eh ein bisschen, hab ich doch viel mehr als letztes Jahr.

Technik die zweite: die Planung der nächsten Monate besagt, EDI-system besorgen, zweite Frachtfirma (Postnord zusätzlich zu Bring), das Ganze im Onlineshop implementieren. Computerkassensystem anschaffen, inkl Warenscanner und mit dem Onlineshop verknüpfen. Dazu dann auch gleich in den Artikelnummern vom Nähzubehör aufräumen.
Online – Großhandelsshop auf den Einzelhandelsshop drauf tun und einen eigenen Zugang für Firmen und Weiterverkauf anlegen mit entsprechenden Kategorien und Rabatten. Joa…ich brauche  noch jemanden im Laden, damit ich mit dem Onlineshop tun kann.

Evtl. die Longarm zum Verkauf anbieten oder jemanden drauf anlernen.
Evtl. die Nähkurse für unsere Maschinen jemanden anderen machen lassen.
Evtl. Videos von den Kursen produzieren lassen und online anbieten, bzw. statt eigener Kurse machen lassen.
Besser Werbung machen online und offline. Mehr Veranstaltungen im Laden organisieren. Mehr Nähmaschinen verkaufen. Die Angestellten besser anlernen und weiterbilden, ob die nun wollen oder nicht, lol.

Dabei das Kerngeschäft nicht aus den Augen verlieren.

Mir wird wohl nicht langweilig werden in 2017.

Kommentare sind geschlossen.