Wie ES sich anfühlt…

Wie es sich anfühlt.
Ich muss es jetzt schnell schreiben, bevor mich jede Energie wieder verlässt.
Es lähmt mich.
Während im Kopf ein Männchen tobt und ‚Stell dich nicht so an‘ brüllt und ‚Mach endlich was‘ und auf die Liste der unerledigten Dinge verweist, weigert sich der Körper zu folgen. Statt die viele ‚freie‘ Zeit zu nutzen, die durch die aktive Krankmeldung entsteht, mache ich nichts. Ich konnte mir nie vorstellen, wie es ist wirklich ’nichts‘ zu tun, wo ich doch die Macherin bin und dachte, man kann gar nicht nichts tun.
Doch, man kann. Man kann wie eine Statue rumsitzen, in die Ferne oder auf irgendwas starren und dabei null, nichts, niente, ingenting tun oder denken.

Um halb 9 vom Telefon wachwerden, nicht wieder schlafen können weil es in mir völlig überflüssig und unerklärlich (‚Stell dich nicht so an, das ist doch lächerlich sich wegen dem Telefonklingeln so aufzuregen‘) vor Wut kocht. Bevor die Gleichgültigkeit sich wieder über einen legt und apathisch werden lässt. Bis 11 Uhr dann nichts weiter schaffen als aufzustehen, sich anzuziehen und zu frühstücken. Sowie – völlig überflüssig – 2 Reihen Bücher umzusortieren mit dem Brot in der Hand.

Dazu dieses unglaubliche Desinteresse an allem. Es interessiert mich nicht, ob Post im Briefkasten ist und wenn ich sie dann doch mal alle paar Tage raushole, dann ist es mir egal ob außer Reklame was drin ist. Noch mache ich alle Briefe auf, Rechnungen muss ich in Sichtweite legen, damit sie nicht untergehen. Ich fürchte mich vor dem Tag, an dem ich keine Energie mehr habe um die Post zu öffnen.

Dass mir ständig die Tränen locker sitzen, nervt total. Ich weine sonst selten, aber dieser Tage kann ich im Auto sitzen und muss plötzlich heulen. Ohne dafür einen Grund nennen zu können. Auch jetzt beim Schreiben verschwimmt es mir vor den Augen.

Ich gehe tapfer zum Abnehm- und Laufkurs, aber es interessiert mich gar nicht ob ich ab- oder wieder zugenommen habe. Und das Laufen ist ein Pflichtlaufen. Es macht keinen Spaß und ich fühle mich dabei auch nicht mehr so toll wie früher mal. Genauer gesagt finde ich schon seit Wochen, dass die Bewegung an sich eine Qual ist und ich bin jedesmal erleichtert, wenn wir wieder am Parkplatz sind. Es ist eine ‚Zähne zusammenbeißen und durch‘ – Angelegenheit.

Es fühlt sich an, als würde ich in Zeitlupe leben, derweil das Leben um mich rum normale Geschwindigkeit hat.
Ich verbrauche einige Energie dabei, andere nicht merken zu lassen, dass es mir nicht richtig gut geht. Was ich noch ganz gut überspielen kann, was mich aber total anstrengt. Ich fange an, Menschen zu meiden.

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