Wohnung 6-12

Nach den zwei Monaten hatte ich dann eine nette günstige Wohnung bei der BreBau. Okay, die Wohn-Gegend war eher…hm…Sozialhilfeempfänger und Ausländer. 10-Familienhäuser reihenweise, dazwischen ein alter Bunker. Nachkriegsbauten für die Arbeiter. Sowas in der Richtung. Aber die Wohnung war: frisch geweißt ohne Tapete, was mich sofort begeistert hat; hatte gute Fenster (ja, ich bin nun mal familiär vorbelastet) und ich bekam nagelneuen grau-weiß wolkiges PVC in der kompletten Wohnung verlegt. Im Bad dunkelrot-beige-marmorierte kleine Fliesen auf dem Boden, an der Wand nur über dem Waschbecken hellgelbe, Fenster. Die Wohnung war schön. 2 gleichgroße Zimmer, sehr hell, eines war Durchgangzimmer und hatte Fenster an zwei Ecken. 47 qm für sehr wenig Geld. Heizung funzte gut, die Rohre liefen über Putz. Im Schlafzimmer hat mein Obermieter für mich mitgeheizt, sein Heizungsrohr war so heiß, dass ich meine Heizung nie andrehen musste. Nur das Wasser….die Wohnungen hatten einen elektrischen Boiler in der Küche und wenn viele gleichzeitig Wasser hatten, wurde das Duschwasser mal kurz kochend heiß zwischendurch.
Die Gegend war ruhig und sauber, trotz der Ausländer und Sozialhilfeempfänger. Wobei ich zu dem Zeitpunkt selbst zu letzterem zählte. Es gelang mir nämlich trotz bundesdeutscher Bewerbungen nicht, eine annehmbare Stelle als Innenarchitektin zu bekommen. Die totale Flaute auf dem Markt.
Nervig war nur die Bewohnerin unten rechts. Neugierig. Frech bis dreist. Hatte dann noch ein privates Drama und der Typ hat mir dann nen Zettel an die Kellertür gemacht, dass die Frau einen Schlüssel von meinem Keller hätte. Überflüssig zu erwähnen, dass ich beim Auszug feststellte, dass mein Herd keine Backbleche mehr enthielt. Als dann mein Holzbriefkasten (fest im Haus installiert) mehrfach aufgebrochen wurde und auch ein Metallbriefkasten nicht half (aufgebrochen und wieder verschlossen) und Post verschwand, sowie jemand mit meiner Unterschrift vom Paketdienst ein Paket annahm, da wurde das Wohnen zu stressig und glücklicherweise fand ich dann auch eine Stelle in Hannover, so dass ich meine Wohnung für zwei Monate möbliert untervermietete.

Und selbst in Hannover erst bei meinem damaligen Freund einzog, der die meiste Zeit berufsbedingt im Ausland weilte. In der Wohnung hab ich mit seinem Einverständnis die Küche renoviert und komplett umgebaut. Ohne sein Einverständnis dann das Schlafzimmer. Ich hatte mich so unwohl gefühlt und er war ja eh nich da. Gut, es war vielleicht nicht sooo die gute Idee. *g*. Als er dann wieder da war, wurde es mit meinen zwei weißen Plüschmonstern zu eng und ich fand…die Übergangswohnung.
Mittellose bzw. ziemlich möbellose Studentin hatte Auslandspraktikum und vermietete mir ihre Altbau-Dachwohnung mitten in Hannover-Linden-Mitte für ein halbes Jahr. 3,50 m hohe Decken. Großer Balkon. Jugendstilhaus. Supernette alte Schwestern als Vermieterinnen. Ich durfte die Katzen mitnehmen. 4. Stock. 80 Stufen. Ohne Fahrstuhl. Ich schwöre, ich habe nur ganz ganz selten irgendwas vergessen. Und nach 3 Monaten war ich echt fit mit den Treppen. *gg*
Ich habe auch nur ganz wenig von meinen eigenen Sachen hochgeschleppt, sondern recht möbellos in weißen Wänden gewohnt. Komisches Gefühl.

Ich fand dann recht problemlos eine neue kleine Wohnung. Hannover-Linden. Viktoriastraße. Eine kleine Seitenstraße mit Kopfsteinpflaster. Ging von der Fußgängerzonenstraße ab. Eine der ältesten Straßen in dem Viertel mit 1,5 geschossiger Bauweise. Erdgeschoss, 31 qm Altbau. 3 Durchgangs-Zimmerchen. *lol*. War wirklich witzig mit Charme. Die Wohnung hatte einen quadratischen Grundriss und man konnte sozusagen ‚um die Ecke‘ gehen. Nur zwischen Bad und Schlafzimmer gab es keinen Durchgang mehr. Erdgeschoss. sowas von fußkalt. Die Fenster taugten nix mehr. Die Böden hingen durch, im Keller konnte man die Styroporplatten unter den Balken sehen. Ich schwöre, im Schlafzimmer gab es eine Ritze, durch die man in den Keller sehen konnte. es war also verdammt kalt. Aber mir hat es trotzdem gefallen. Okay, von 47 auf 31 qm ist auch ne Kunst. Aber es ging. Ich musste beim Einzug renovieren. Die 4 qm-Küche rot. Das erste Zimmer ‚Limogelb‘ (Orange), das zweite ‚Taxigelb‘ und das dritte ‚Drachengrün‘ (Apfelgrün). Alle Durchgänge weiß. Türen gab es nur die Eingangstür und die zum Bad. Was aus der Küche raus zu erreichen war. Die Wohnung hatte Charme.
Gut, der Vermieter war Sozialpädagoge und hatte von Häusern a) keinen Plan und sich b) beim Kauf und c) bei Renovieren übers Ohr hauen lassen. Die Geschichten bekam ich dann erst nach und nach von den anderen Hausbewohnern mit. Dass das Haus eigentlich der Bank gehört, er die Abträge nicht mehr zahlt, einige Mieter direkt ihre Miete an die Stadtwerke für Wasser überweisen, damit uns das nicht abgestellt wird. Ich hatte glücklicherweise nur eine Monatsmiete Kaution bezahlt. Als ich dann wegen Norwegen kündigen wollte, kamen alle Briefe zurück und es ist mir nur per Zufall geglückt, ihm wenigstens telefonisch von meiner Kündigung unterrichten zu können. Die Wohnung hatte ich auch ein halbes Jahr möbliert an eine Gesellschaft vermietet, die Auslandsstudentinnen aus der Ukraine betreute. Weil ich ja nicht wusste, ob ich in Norwegen bleiben würde.
Dann kam noch am Anfang das Zimmer in Norwegen, im Haus mit den anderen Handwerkern. Dann die Haushälfte in Vikeland, wo ich mit Ralf gewohnt hab. Wo wir auch gerne noch zwei Jahre gewohnt hätten, vorm selber was kaufen. Wenn unser Vermieter nicht immer von ‚Verkaufen‘ und Mondpreisen gefaselt hätte. Und jetzt wohnen wir in einem Haus, was wir renovieren und was vermutlich auch nicht das Ende unser oder meiner Wohnungen sein wird. Ich bin noch jung und wer weiß, was noch kommt *gg*.

🙂 Ich ziehe übrigens gern um.

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